Aktuelles

CVI Conference September 10th - 11th 2010
30.03.2010 - 15:22

TU Dortmund University, Germany

On the occasion of the 70th Birthday of Prof. Lea Hyvärinen, MD

"Visual problems in children with brain damage - what is new?"

The last few years have shown that visual problems in children with brain damage are far more complex than known previously and require further training and major changes, both in assessment and special education. 

Erster Zertifikatskurs CVI im Kindesalter abgeschlossen
02.01.2010 - 01:00

 

Was ist CVI

Die Abkürzung "CVI" steht für die englischen Begriffe: "Cerebral Visual Impairment". Sie werden mit den Worten "cerebrale Sehschädigung" ins Deutsche übersetzt. Allerdings findet die Bezeichnung "cerebrale Sehschädigung" in Deutschland derzeit noch kaum Verwendung. Stattdessen sprechen Ärzte von Rindenblindheit, zerebraler oder zentraler Wahrnehmungsstörung, kortikaler Sehschädigung etc.

Was bedeutet die Diagnose "cerebrale Sehschädigung"?

Im Unterschied zu einer okularen Sehschädigung, bei der eine Schädigung (a) der Augen (Auge = Okulus) oder (b) der dahinter liegenden Sehnerven vorliegt, besteht die Ursache einer cerebralen Sehschädigung in Veränderungen der Weiterleitungs- und Verarbeitungsprozesse visueller Informationen im Gehirn (Cerebrum).

Hirnschädigungen haben jedoch in der Regel nicht nur Veränderungen an den Sehbahnen im Gehirn zur Folge, sondern können auch zu  Veränderungen der Hirnfunktionen, z. B. der Motorik (Bewegung), der Sprache oder der Kognition (Denkprozesse) führen. Bei  Kindern mit einer Mehrfachschädigung kann auch eine cerebrale Sehschädigung vorliegen. Diese wird jedoch oft übersehen, da weitere Schädigungen meistens im Vordergrund stehen. 

Die Schwierigkeit der Diagnose von CVI im Kindesalter liegt in der großen Variabilität der Erscheinungsweisen, in der häufigen Fehlinterpretation der Verhaltensweisen, vor allem jedoch darin begründet, dass jeder Mensch nur seine Art der visuellen Wahrnehmung kennt und diese für gegeben und normal hält. Daher kommt man üblicherweise nicht auf die Idee, dass der Grund für außergewöhnliche Verhaltensweisen in der visuellen Wahrnehmung liegt.

Folgende Verhaltensweisen werden oft als Unaufmerksamkeit, Verträumtheit eingestuft.

  1. Ein Kind geht oft an bekannten Personen vorbei, ohne diese zu grüßen.
  2. Ein Kind reagiert nicht auf Gesichtsausdrücke (Mimik), die es z. B. in der Schule zum Schweigen auffordern oder auch zum Lachen bringen wollen.
  3. Ein Kind kann in einer Ansammlung von Spielsachen nicht s(ein) gesuchtes Spielzeug finden und herausnehmen (ebenso bei Anziehsachen, die auf einem Stapel oder im Kleiderschrank liegen)
  4. Ein Kind stolpert häufig über Stufen oder Bürgersteige (Bordsteine).
  5. Ein Kind verläuft sich oft auf ihm eigentlich bekannten Wegen (z. B. zur Schule, zu den Großeltern, zum nächsten Geschäft, zu Freunden etc.).
  6. Ein Kind ist ständig motorisch aktiv, d. h. ist ständig in Bewegung.
  7. Ein Kind läuft häufig auf die Straße, obwohl sich Fahrzeuge nähern oder es stößt Personen an, die sich in seiner Nähe befinden,
  8. Ein Kind hat Probleme Worte mit mehreren Buchstaben zu lesen.

Sie werden häufig mit  kognitiven Störungen, Aufmerksamkeitsproblemen,  grob- oder feinmotorischen Schwierigkeiten, autistischen Verhaltensweisen, Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS), Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) usw. begründet.

Folgende  Ursachen werden jedoch häufig nicht als Erklärung herangezogen:

  • Probleme bei der Erkennung von Personen anhand ihrer Gesichter und/ oder Probleme bei der Interpretation von Gesichtszügen (Mimik) (Fachbegriff: Prosopagnosie): siehe Bsp. 1,2
  • Probleme bei der Erkennung eng zusammen liegender Gegenstände oder Formen (Fachbegriff: Crowding): siehe Bsp. 3
  • Crowding: siehe. Bsp. 8
  • Probleme bei der visuellen Raum- bzw. Tiefenwahrnehmung: siehe Bsp. 4
  • Probleme bei der visuellen Orientierung: siehe Bsp. 5
  • Probleme bei der visuellen Wahrnehmung von ruhenden Gegenständen: siehe Bsp. 6
  • Probleme bei der visuellen Wahrnehmung von bewegten Objekten: siehe Bsp. 7.

Die hier  genannten, möglichen  visuellen Erklärungen beziehen sich auf das Vorliegen einer cerebralen Sehschädigung (CVI).  Da aber auch Schädigungen am Auge diese Verhaltensweisen erklären können und beide Formen der Sehschädigung (okular sowie cerebral) parallel auftreten können, entsteht oft Verwirrung.

Daher wird das Vorliegen einer cerebralen Sehschädigung wie folgt definiert:

Eine cerebrale Sehschädigung liegt vor, wenn eine Sehbeeinträchtigung nicht Folge einer Schädigung der Augen (okulare Schädigung) ist.

Fazit

Zur Feststellung einer CVI ist es die Aufgabe von Ärzten, Pädagogen, Therapeuten aber vor allem auch der Eltern herauszufinden, ob ein spezifisches kindliches Verhalten aufgrund von:

  1. motorischen und/ oder kognitiven Einschränkungen,
  2. Veränderungen am Auge (okulare Schädigung) oder
  3. Weiterleitungs- und/ oder Verarbeitungsstörungen visueller Strukturen im Gehirn (CVI), oder
  4. allen drei Aspekte (a, b, c) entsteht.

Zur Klärung dieser Fragen ist eine Zusammenarbeit der genannten Professionen einschließlich der Eltern unabdingbar.